Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung

Ungefähr ein Viertel der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland verfügt über eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung.

Worum handelt es sich bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird abgeschlossen, um im Falle der Berufsunfähigkeit den Erhalt des eigenen Lebensstandards zu erhalten und die Existenzsicherung zu erleichtern. Die wichtigste Leistung ist die Zahlung einer Rente für den Fall, dass man gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, seine berufliche Tätigkeit weiter auszuüben.

Für die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente werden der zuletzt ausgeführte Beruf und der konkrete Einzelfall genauestens überprüft. Kann man seiner Tätigkeit, ob nun wegen Krankheit oder eines Unfalls, nicht mehr ausüben, so liegt die Berufsunfähigkeit vor.

Leistungsumfang und –art bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Der wichtigste Grund und Aspekt eine Berufsunfähigkeits(zusatz)versicherung abzuschließen ist die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente. Die Höhe der Rentenzahlung wird individuell im Versicherungsvertrag vereinbart. Die Rente sollte im Falle der Berufsunfähigkeit zumindest den eigenen Lebensstandard absichern, kann aber auch über diesen hinausgehen.

Neben den Rentenzahlungen bieten einige Versicherer aber oft noch weitere Leistungen an. Zum einen werden bei erstmaliger Berufsunfähigkeit oftmals Einmalzahlungen angeboten. Aber auch die Übernahme von Versicherungsprämien gehört oft zu den angebotenen Leistungen der Versicherungen.

Vertragsformen für Berufsunfähigkeitsversicherungen

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten. So kann der Vertrag unabhängig von weiteren Verträgen  abgeschlossen werden. Das bedeutet, der Vertrag über die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) besteht, ohne an einen anderen Vertrag gebunden zu sein.

Andererseits kann der Versicherungsschutz als Annex zu einem weiteren (Haupt-) Versicherungsvertrag abgeschlossen werden. Dann wird von einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) gesprochen. Diese Versicherung ist dann an das Bestehen der Hauptversicherung (z. B. Risikolebensversicherung) gebunden.

Höhe Versicherungsprämien

Wie hoch die zu zahlenden Prämien sind, ist u. a. vom Alter bei Antragsstellung abhängig. Es kann aber grundsätzlich festgestellt werden, dass je jünger ein Antragssteller ist, desto niedriger die monatlich zu zahlende Prämie ist. Auch der bei Antragstellung ausgeübte Beruf spielt eine Rolle. Denn je gefährlicher der ausgeübte Beruf des Antragsstellers und damit die Wahrscheinlichkeit der Berufsunfähigkeit ist, desto höher ist die monatliche Prämie. Ein wichtiges Kriterium spielt auch der aktuelle Gesundheitszustand des Antragstellers, denn auch dieser wirkt sich auf die Wahrscheinlichkeit der Berufsunfähigkeit aus. Des Weiteren kann auch die vereinbarte Vertragslaufzeit sich auf die zu entrichtende Versicherungsprämie auswirken.

Die Gesundheitsprüfung kann heutzutage bei einzelnen Versicherungsunternehmen durch eine Erklärung des Arbeitgebers ersetzt werden, wobei dies zu höheren Versicherungsprämien führen kann. Ebenso kann der Ausschluss einer nochmaligen Gesundheitsprüfung bei Anpassung der Höhe der Rentenzahlung vereinzelt ausgeschlossen werden. Jedoch ist auch dies meist mit höheren Prämien verbunden.

Berufsunfähigkeitsversicherung Notwendigkeit?

Vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten bei der Durchsetzung einer Erwerbsunfähigkeitsrente (die Voraussetzungen sind bedeutend strenger) und der Höhe der Erwerbsunfähigkeitsrente wird unter anderem durch den Bund der Versicherten jedem Berufstätigen (egal ob selbstständig oder angestellt) angeraten, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Danach sollte man, selbst, wenn man das Risiko, die Versicherung zu benötigen, noch so gering einschätzt, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zur Absicherung abschließen. Hintergrund ist, dass immer der Fall eintreten kann, dass man aus unvorhersehbaren Gründen berufsunfähig wird und einen finanziellen Engpass überstehen bzw. ausgleichen muss.

Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente

Ist der Versicherungsnehmer der Ansicht, dass er seinen Beruf ganz oder teilweise (zu min. 50%) nicht mehr ausüben kann und will er Leistungen aus dem Versicherungsvertrag in Anspruch nehmen, muss zuerst ein ausführlicher Antrag ausgefüllt und dann bei der Versicherung eingereicht werden.

Der Versicherungsnehmer muss einen Nachweis für seine Arbeitsunfähigkeit bei seiner Versicherung vorlegen. Dies erfolgt in der Regel durch entsprechende ärztliche Unterlagen 

Das Antragsverfahren ist in aller Regel sehr umfangreich, sodass kann das Ausfüllen der entsprechenden Unterlagen durchaus zu einer weiteren Belastung für den Betroffenen werden. Daher ist hierbei dazu zu raten, professioneller Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese Unterstützung erhält man beispielsweise durch einen auf Versicherungsrecht spezialisierten Anwalt.

Bei der Antragsstellung ist mit oder auch ohne Hilfe einiges zu beachten. Vor allem ist es wichtig, die Berufsunfähigkeit so detailliert wie nur möglich im Antrag zu begründen.

Mit dem Antrag müssen dem Versicherer in der Regel folgende Unterlagen vorgelegt werden:

  • Ausführliche und detaillierte Darstellung des Berufsbildes und der genauen Tätigkeit. Was wird getan und wie lange am Tag? Wo wird etwas erledigt? Wie lange? etc. Die pauschale Angabe eine
  • Berufsbezeichnung ist nicht ausreichend.
  • Ausführliche und detaillierte Darstellung der Berufsunfähigkeit
  • Arztberichte, welche eine Berufsunfähigkeit belegen und die voraussichtliche Dauer der Berufsunfähigkeit beinhalten.
  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen

Wenn durch den Versicherungsnehmer alle erforderlichen Unterlagen eingereicht wurden, prüft der Versicherer, ob und in welchem Umfang die Leistungsanspruch aus der Berufsunfähigkeitsversicherung besteht. In der Regel wird der Versicherer auch versuchen zu ermitteln, ob bei Vertragsabschluss falsche Angaben gemacht wurden. 

Die Dauer von Antragsstellung bis zur Annahme beziehungsweise Ablehnung  durch den Versicherer ist je nach Versicherungsunternehmen ganz unterschiedlich. Die durchschnittliche Dauer der dürfte wohl  zwischen 2 bis 7 Monaten liegt.

Was tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?

Lehnt der Versicherer den Antrag auf Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung ab, ist es dringend angeraten, einen Fachmann auf dem Gebiet hinzuzuziehen. Die sollte in der Regel ein auf Versicherungsrecht spezialisierter Rechtsanwalt sein oder ein Fachanwalt für Versicherungsrecht. Das Bestehen einer Rechtsschutzversicherung ist bezüglich der Durchsetzung von Ansprüchen auf Berufsunfähigkeitsrente ein erheblicher Vorteil. Diese übernimmt sodann die Kosten für den Rechtsanwalt und im Falle einer gerichtlichen Durchsetzung auch die Gerichtsgebühren.

Ablehnungsgründe in der  Berufsunfähigkeitsversicherung

Der Ablehnung der Leistung auf Berufsunfähigkeitsrente können vielfältige Umstände zugrunde liegen. Die häufigsten Ablehnungsgründe sind jedoch wohl:

  • Der Versicherungsnehmer reagiert nach Antragsstellung nicht mehr auf Aufforderungen durch den Versicherer.
  • Der Betroffene erreicht nicht die 50-Prozent-Marke der Berufsunfähigkeit, welche in den meisten Versicherungsverträgen Leistungsvoraussetzung ist.
  • Die Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht, wegen Betruges oder arglistiger Täuschung.
     

Nur eine einstellige Prozentzahl der Anträge wird aufgrund Ausschlussklauseln, konkrete oder abstrakte Verweisung abgelehnt.